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Spotlightbericht „Kommunikation in kritischen Zeiten“ Flughafen Lübeck 14.11.2023



In schwierigen Zeiten, die von einer oft moralisierenden Industriefeindlichkeit inklusive Angriffen in den Medien begleitet sind,
müssen sich Unternehmen mit einem größeren Risiko von Angriffen durch die Medien oder NGOs auseinandersetzen. 

Das war der Themenschwerpunkt unserer Veranstaltung, die freundlicherweise vom Flughafen Lübeck gehostet wurde.

Der Geschäftsführer vom Flughafen Lübeck, Prof. Dr. Jürgen Friedel, wiess in seinem Eingangsreferat auf die verschiedenen
Herausforderungen hin, vor denen kleine Flughäfen stehen. Der Flugbetrieb erzeugt CO2. Damit ist die Angreifbarkeit der
Flughäfen quasi automatisch gegeben. Jedoch wird die Umweltfreundlichkeit des Luftverkehrs ständig verbessert und vor
allem: Der Luftverkehr benötigt wesentlich weniger Flächen als alle anderen Verkehrsträger. Innovation und Weiteren-
twicklung sind wichtig: Der Lübecker Flughafen arbeitet an einer Remote-Flugsicherung, später können kleinere Flughäfen
die örtliche Flugsicherung von Lübeck aus erledigen lassen.   

Karl-Heinrich Narjes setzte sich intensiv mit der modernen Mobilität auseinander, deren Vorteile sich aus den Faktoren
Schnelligkeit, Reichweite und Effizienz ergeben. Die individuelle Mobilität ist sehr stark im menschlichen Dasein verankert
und kaum zu unterdrücken. Eine Verkehrswende, die die Mobilitätsbedürfnisse nicht berücksichtigt, wird sehr wahrscheinlich
scheitern. Bereits jetzt wird deutlich, dass gerade auch junge Menschen vermehrt auf den motorisierten Individualverkehr setzen.

Dr. Othmar Baeriswyl ist Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Krisenkommunikation und -management. Er zeigte
auf, dass erst die Veröffentlichung mit einer starken Emotionalisierung durch die Medien eine Krise bzw. einen Skandal
schafft. Er erläuterte, dass jede Krise von den verschiedenen Beteiligten wie Mitarbeitern, Anteilseignern und Betroffenen
aufgrund der ungleichen Interessenlagen unterschiedlich wahrgenommen wird. Das ist in der Kommunikation durch das
Unternehmen zu berücksichtigen. Auf der Seite der Medien ist immer mehr damit zu rechnen, dass mittels Storytelling
auch starke Gefühle auf der Seite der Öffentlichkeit erzeugt werden, die das Managen einer problematischen Lage erschweren.
Wichtig ist es, vorbereitet zu sein und nach einem klaren Schema vorzugehen. Durch die langjährige Beschäftigung mit
Unternehmenskrisen hat er eine Krisenverlaufskarte entwickelt. Neben zahlreichen weiteren Praxisbeispielen nannte er
Nestlé. Dieser Weltkonzern ist ständigen Angriffen ausgesetzt und reagiert darauf sehr klar und strukturiert.

Prof. Dr. Sascha Götte analysierte die Situation der Firma Boeing, die jahrelang sehr sichere Flugzeuge gebaut hat.
Als ein neues Kurz-Mittelstreckenflugzeug erforderlich wurde, entschloss sich Boeing, statt einer Neuentwicklung die
bestehende 737 (Konstruktion aus den 60er Jahren) nochmals zu überarbeiten. Die 737 Max wurde mit grösseren und
treibstoffsparenden Triebwerken versehen, durch allerdings anders positioniert werden mussten. Die dadurch verursachte
instabile Fluglage wurde durch die Einführung des elektronischen Steuerungssystems MCAS gelöst. Die fehlende
Redundanz der Sensoren zur Messung des Anstellwinkels und die fehlenden Trainings der Piloten führten zu zwei

Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien mit mehr als 300 Toten. Das anschliessende 18-monatige

Grounding der gesamten 737 Max Flotte bewirkte für Boeing eine erhebliche Reputationskrise und Schäden
in Milliardenhöhe. Trotz des massiven Fehlverhaltens ist Boeing bis heute zu keiner Schuldanerkennung bereit. 

Die Themen wurden abschliessend im Plenum diskutiert. Zusammenfassend wurde deutlich, dass Unternehmen
zunehmend durch Krisen herausgefordert werden und sich zwingend auf in der Zukunft möglicherweise eintretende Krisen
vorbereiten müssen.

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